Abschied von Karl „Kalla“ Bettels (89) und Georg Gebhardt (81)
Jahresende 2003:
Abschied von Karl „Kalla“ Bettels (89) und Georg Gebhardt (81)
- von Gerhard Schütte, Heimatpfleger -
(gs) Karl „Kalla“ Bettels bestritt 1920 mit sechs Jahren das erste Punktspiel in der Knabenmannschaft des SV von 1911. Das sind 83 Jahre her. Er ist bislang als dienstältestes Mitglied in diesem erfolgreichen Fußballverein geführt worden. Georg Gebhardt stand - noch keine 17 Jahre alt - nach einer Sonder-Erlaubnis des DFB bereits im Tor der legendären „Elsternträger“ in der Gauliga. Beide Fußballer sind in der höchsten deutschen Fußballspielklasse in der Saison 1938/39 im Einsatz gewesen. Diese beiden Algermissener Fußball-Legenden verstarben unmittelbar vor dem Weihnachtsfest 2003.
„Kalla“ Bettels trug als Markenzeichen stets einen Hut, wenn er an der Außenlinie in den letzten Jahrzehnten die Spiele der Herrenmannschaften beobachtete. 40 Jahre leistete er Vorstandsarbeit und war Ehrenmitglied bei den schwarz-weißen „Elsternträgern“ mit allen Auszeichnungen. Der Ortsrat verlieh ihm die Ehrenurkunde „Verdienter Bürger von Algermissen“ im Jahr 1998 für seine Verdienste rund um den Fußballsport. Neben den Fußball-Brüdern Willi, Heino, Josef und Alfred Deppe waren es weiter noch die vier Bettels-Brüder Johannes, Josef, Heinrich „Ted“ und Karl „Kalla“, die in der höchsten Spielklasse Fußballgeschichte schrieben: Eine Ausnahmeerscheinung im größten Fachverband der Welt.
Der sportliche Werdegang von „Kalla“ Bettels führte über die Schüler- und drei weiteren Jugendmannschaften in die Jugendliga, die das Vorspiel für die Gauligabegegnungen bestritten. Mannschaften wie die Hamburger Vereine HSV, Borussia Harburg, Viktoria Wilhelmsburg und Rasensport Harburg, die Bremer mit Werder, Komet, SV 06 und Blumentaler SV, Arminia und Hannover 96, Eintracht Braunschweig, VfL Osnabrück und Göttingen 05 zählten zu den Gegnern. Als linker Verteidiger und auch mal als Linksaußen schaffte „Kalla“ den Sprung in das erste Herren-Team.
Nach dem Weggang von Torwart Alfred Kellner zum amtierenden Deutschen Meister 1938, Hannover 96, musste der Jugendtorsteher Georg Gebhardt in die Gauliga aufrücken. Das war eine schwere Aufgabe für den körperlich wohl kleinsten aller in der obersten Fußball-Liga. Er stand damals vor Ausbruch des Krieges etlichen Auswahlspielern gegenüber. Im allerletzten Heimspiel auf der Anlage am Grasweg kam ausgerechnet der amtierende Deutsche Meister aus der Landeshauptstadt nach Algermissen und gewann gegen einen mit fünffachem Ersatz angetreten Gastgeber hoch mit 8:0 Toren. Das war die höchste aller Niederlagen in der Gauliga.
Gleich nach dem Weltkrieg zählten „Kalla“ Bettels und Georg Gebhardt zu den Pionieren zunächst auf dem Behelfssportplatz „Tiefenbeck“ und danach in der Amateur-Oberliga-Niedersachsen. Die ersten Gegner damals: SV Helmstedt, VfB Peine, Göttingen 05, Teutonia Uelzen, Lüneburger SK, Borussia 06 und VfV Hildesheim.
Nach dem Requiem am Dienstag, 30. Dezember 2003, in der St.-Matthäus-Pfarrkirche, folgte die Beisetzung von Karl Bettels auf dem Friedhof am Kranzweg. Er starb einen Tag nach seinem 89. Geburtstag. Das Requiem für Georg Gebhardt fand einen Tag später statt, am 31. Dezember, danach die Beerdigung. Vier Tage später wollte er noch seinen 82. Geburtstag feiern.