Fußball-Organisator Aloys Eggers
- von Gerhard Schütte, Heimatpfleger -
(gs) Bereits mit acht Jahren spielte Aloys Eggers auf der Wiese von Johannes Brönnecke an der Königstraße schon Fußball. Das war zur Kaiserzeit, 1905, fünf Jahre vor der offiziellen Gründung des SV von 1911 Algermissen. Die Jungen hatten schon einen Mannschaft aus Ahrbergen zum Gegner. Sein erstes Punktspiel als aktiver Herrenspieler im Dress des SV Algermissen bestritt Aloys Eggers viele Jahre später gegen die Reserve vom SC Harsum auf dem „Güntherschen Land“ 1919. Daran konnte er sich noch kurz vor seinem Tode erinnern.
Später ist er als „Cheforganisator“ und als großer Regisseur in die Geschichte der Elsternträger eingegangen. Der Eisenbahner lebte für seinen SV von 1911. Er setzte sich gewaltig ein, vor allem während der glorreichen Fußballzeit in der höchsten deutschen Liga. Aloys Eggers organisierte und improvisierte erfolgreich. Mehrfach hatte er sogar auf eine berufliche Beförderung zugunsten des Fußballs verzichtet. Er verstarb 1980. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Algermissener Dorffriedhof.
Aloys Eggers organisierte als Bahner auch die Sonderzüge und Sonderwagen zu den Spielen nach Osnabrück, Bremen (Werder, Komet und BSV) sowie nach Harburg und anderen Bahnhöfen in Niedersachsen. Er pflegte gute Kontakte zur Reichsbahn-Direktion in Hannover. Das klappte immer perfekt. Im so genannten Güterschuppen richtete er für die Sonderfahrten einen eigenen Schalter ein.
Den Fußball-Regisseur drückten in den Jahren der großen Erfolge aber auch schwere Probleme. Da gerieten zum Beispiel die Begegnungen mit Eintracht Braunschweig in harte Auseinandersetzungen. Die Gerichte beschäftigten sich sogar damit.
Auch 1938, als die Eintracht aus Braunschweig in Algermissen mit 1:4-Toren unterging. Braunschweiger Fanatiker zerbrachen die Barrieren, bestürmten das Spielfeld und wollten dadurch einen Spielabbruch erreichen. Staatsrat Bertram (Braunschweig) hatte mit dem angesetzten Schiedsrichter Karl Kerber aus Laatzen, einem der damals besten Schiedsrichter in Norddeutschland, stets Differenzen. Eintracht Braunschweig verklagte den SV Algermissen, der mit einer großen Zahl an Zeugen zur Verhandlung nach Goslar fuhr.
Ein Richter verurteilte den SV Algermissen zu einer Ordnungsstrafe von 20 Reichsmark, weil die Ordner die randalierenden Zuschauer nicht von der Spielfläche fernhalten konnten. Wegen seiner Aussage gegen den damaligen Staatsrat verdonnerte das Gericht auch den Schiedsrichter Kerber zu einer Sperre. Der angesehene Schiedsrichter trat daraufhin zurück und pfiff nie mehr. In Braunschweiger Zeitungen erschienen sogar Spielberichte mit Beleidigungen, sogar Karikaturen, die Eintracht-Spieler auf einer Trage zeigten, die von Algermissener Akteuren angeblich noch getreten wurden. „Das war alles manipuliert“, hieß es später in den Jahrzehnten danach noch von Augenzeugen.
Dem Algermissener Geschäftsführer Aloys Eggers passte das überhaupt nicht. Er klagte ebenfalls. Auch ein Richter aus Karlsruhe hatte die Absicht der Braunschweiger klar erkannt. Als dann der Krieg ausbrach, bat die Oberstaatsanwalt in Braunschweig wegen des Ernstes der Lage die Klage wieder zurückzuziehen. Gleich nach dem Krieg bekam der SV Algermissen von Eintracht ein Entschädigungsspiel angeboten, das 0:0 endete. Außerdem überreichte man an Aloys Eggers einen Betrag von 500 Mark.
Entscheidend beteiligte er sich am neuen Sportplatzbau. Als nämlich das alte Sportgelände gegenüber am Kranzweg 1926 für Neubauten gebraucht wurde, pachtete der Verein vom Landwirt Ernst das Gelände entlang der Bahn am heutigen Grasweg. Die Holzschwellen für die Einfriedigung besorgte Aloys Eggers günstig bei den Bahnmeistereien in Hildesheim und Sehnde, die Rohre für die Barrieren ringsum beim Betriebsamt in Hildesheim. Das damals älteste SV-Mitglied, Konrad Kirchhoff vom Thieberg, opferte sein erspartes Vermögen für den neuen Sportplatz. Wilhelm Quermann, erster Vorsitzender vom Fußball-Bezirksverband, nahm am 14. August 1927 die offizielle Einweihung vor. Auf diesem neuen Sportgelände hielt dann der SV in der Gauliga von 1932 bis 1938 ausgezeichnet mit. Interessante Punktspiele lieferten die Elsternträger gegen Mannschaften wie Arminia und Hannover 96, Werder Bremen, Göttingen 05, VfL Osnabrück und Eintracht Braunschweig. 1939 musste jedoch Algermissen gemeinsam mit dem langjährigen Kontrahenten Arminia Hannover aus der Gauliga absteigen.
Aloys Eggers ist als „Cheforganisator“ in die Geschichte des SV von 1911 Algermissen eingegangen. Der Bahner verzichtete sogar auf berufliche Beförderungen zugunsten seiner Fußballer. (Bild: Archiv Gerhard Schütte)
