Platzkassierer Heinrich Hartmann:
Wegen Fußball ließ er Braut und Hochzeitsgesellschaft allein
- von Gerhard Schütte, Heimatpfleger –
(gs) Die alte Generation erinnert sich noch gut an Heinrich Hartmann.
Fast 40 Jahre hindurch stand er im Kassenhäuschen am Sportplatz der Algermissener Elsternträger am Grasweg. Schon als zehnjähriger Junge kickte er in der Jugendmannschaft, danach etliche Jahre in der Gauliga-Reserve.
Fragte man ihn nach einem besonderen Erlebnis in seiner Laufbahn als Fußballer, kam spontan seine Antwort: An seinem Hochzeitstag 1934 ließ der Bräutigam Heinrich Hartmann seine Ehefrau Maria und die gesamte Hochzeitsgesellschaft im Stich. Er wollte unbedingt mit seiner Mannschaft im Harsumer Wald zum Punktspiel antreten. Das tat er auch. Harsum I gegen Algermissen II endete damals 2:2-Unentschieden. In den Gauligazeiten versorgte der alte Haudegen die Nachbardörfer mit Plakaten. Er war dann über Stunden mit seinem Fahrrad unterwegs. Diese Arbeit verrichtete er auch noch bis Anfang der 80er Jahre hinein, alle zwei Wochen zu den Heimspielen seiner Elsternträger. Außerdem bekamen von ihm alle Geschäfte in Algermissen die Plakate.
Gleich nach dem zweiten Weltkrieg, von 1945 bis 1948, kassierte er von den Zuschauern auf den Behelfssportplätzen an der Tränke und in Tiefenbeck zusammen mit Albert Engelke das geringe Eintrittsgeld. Das war damals ganz bescheiden, entsprechend der schlechten Nachkriegszeiten. Viele der Zuschauer kannten überhaupt kein Geld.
„Wer nichts hatte, kam so rein“, lautete der Kommentar von Heinrich „Heinschen“ Hartmann.
Er erinnerte sich noch genau daran, dass der damalige „TSV“ im November 1945 bereits neun (!) spielbereite Mannschaften wieder zusammen hatte. Neben Fußball pflegte man noch Handball, Tischtennis und Schach. Während der Amateur-Oberliga-Zeit saß Heinrich Hartmann zusammen mit Willi Rohmann im Kassenhäuschen am Grasweg. Diese Tradition pflegte er bis zuletzt. Regelmäßig kassierte Heinrich Hartmann noch das Wassergeld für das Wasserwerk von Groß Algermissen. Kurz vor seinem Tod am 26. August 1991 wies er noch voller Stolz auf den günstigen Wasserpreis hin. Der betrug nämlich in den 1980er Jahren noch ganze 70 Pfennige pro Kubikmeter. Waren das noch Zeiten, als im Monat Dezember von allen Hausbesitzern kein Wassergeld kassiert wurde. Das ehrenamtlich geleitete Wasserwerk in Algermissen lieferte nämlich für die Bevölkerung gratis, weil Weihnachten anstand.
Heinrich Hartmann, 40 Jahre Platzkassierer beim SV von 1911 Algermissen. An seinem Hochzeitstag 1934 ließ er seine Braut Maria samt Gäste wegen eines Spiels seiner II. Mannschaft gegen den SC Harsum (2:2) im Stich. …waren das noch Zeiten!
