Historie > Heinrich Krug 75 Jahre

Heinrich Krug 75 Jahre

3. Mai 2005: Heinrich Krug 75 Jahre

- von Gerhard Schütte, Heimatpfleger –

(gs). Unter der Regie von Hennes Weisweiler absolvierte der frühere Algermissener Fußball-Torwart Heinrich Krug an der Sporthochschule in Köln mit etlichen bekannten Fußballern aus dem In- und Ausland einen lizenzierten Trainerlehrgang. Mit dabei waren damals auch die weltbekannten Sprinterasse Manfred Germar und Martin Lauer, der Kunstturnmeister und Olympiasieger Helmut Bantz und der spätere so erfolgreiche Fußball-Bundesligatrainer Tschik Czaikowski. Das sind jetzt 50 Jahre her. Als Nachfolger des legendären Algermissener Gauliga-Torwarts Alfred Kellner, der zum Deutschen Meister Hannover 96 wechselte, hütete er dann für rund zehn Jahre erfolgreich das Tor bei den Elsternträgern, auch in der höchsten niedersächsischen Amateurklasse. Am 3. Mai 2005 vollendete Heinrich Krug sein 75. Lebensjahr. Mit einem Ständchen vor dem Pfarrheim, dem Domizil der Sängerinnen und Sänger,  überraschte der Gesangverein. Klar, dass auch seine geliebten Volksweisen an diesem Abend für den Jubilar erklangen. Der Gesangverein von 1863 gratulierte und sprach dem Jubilar Dank und Anerkennung aus für die aktive Sangestätigkeit von 56 Jahren.

Heimatpfleger Gerhard Schütte hielt die Laudatio. Auf eine beispielhafte Bilanz blickt der gelernte Maurerpolier auch als Trainer zurück. In seinem Verein trainierte Heinrich Krug zehn Jugend- und vier Herrenmannschaften. In den 50ern traten im Trikot des SV von 1911 immerhin 16 Teams im Punktspielbetrieb an, für die heutige Zeit nicht mehr nachvollziehbar. Auch die Knaben- und Jugendmannschaften spielten damals noch mit 11er-Aufgebot über die gesamte Sportplatzfläche. Ein Riesenpensum leisteten auch die Betreuer.

Die sportliche Laufbahn begann für Heinrich Krug als linker Läufer in der B-Jugend. Bei einem Spiel nebenan in Clauen musste er als Torwart aushelfen und blieb es dann auch in den nachfolgenden Jahren. Bei einigen Freundschaftsspielen durfte der Jugendspieler im Alter von 16 Jahren schon den damaligen Torhüter Willi Kraps in der „Ersten“ vertreten. Immer wieder stellte Heinrich Krug sein Talent als Torwart unter Beweis. Er erinnert sich auch noch an das erste Spiel nach der Währungsreform 1948, als die Elsternträger das Pokalendspiel auf dem Hildesheimer VfV-Platz gegen Giesen mit 2:1 Toren gewinnen konnten. Erstmals gab es für die Spieler in einem Pokal Sekt gereicht, eine Besonderheit in der Nachkriegszeit. Gleich dreimal in Folge gewann damals der SV von 1911 den Kreispokal, der  damit für alle Zeiten die Trophäensammlung im Algermissener Klubhaus ziert. 

Amateurliga Niedersachsen, 22. Januar 1950: Vor 3000 Zuschauern brachte Algermissen dem Gastgeber TuSpo Holzminden nach zwei Jahren wieder eine Heimniederlage mit 2:3 Toren bei. Heinrich Krug brillierte auf der Linie, hielt zwei Elfmeter und ist dann als bester Spieler gefeiert worden. Der VfL Wolfsburg, TuS Celle, SV Wolfenbüttel, TSV Goslar, Teutonia Uelzen, VfV Hildesheim, TSG Osterode und TuSpo Holzminden zählten damals zur Spitze und zu den Gegnern des SV Algermissen in der Amateurliga, Staffel Ost.

Zwischendurch machte der heutige Jubilar mal einen Abstecher in der Saison 1952/53 zum Handball, wo er für die Polizisten in Himmelsthür spielte. Die Algermissener holten ihn aber von dort wieder zurück in das Fußballtor. Ende der 50er Jahre musste Heinrich Krug seine aktive Laufbahn aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.     

Der Polier arbeitete beim Wiederaufbau von Hildesheim gut drei Jahrzehnte kräftig mit und erledigte in der Freizeit auf dem Sportplatz am Grasweg nebenbei ehrenamtlich viele anfallenden handwerklichen Arbeiten. Unter anderem half er beim Bau des Klubhauses am Grasweg und des Kassenhäuschens im Eingangsbereich. Die Errichtung der 125 Meter langen Mauer entlang der Bahntrasse ermöglichte damals die Ablösesumme von Alfred Deppe, der nach dem Wechsel von Algermissen zu Göttingen 05 als Vertragsspieler in der Oberliga Nord spielte.

Nach seinem Berufswechsel zur Bundesbahn fehlte ihm dann als Zugführer oft die Zeit für sein Hobby „Fußball-Bundesliga“. In ganz Deutschland war er in den Zügen unterwegs, auch an den Wochenenden und sonntags. .

Seit 1987 trägt Heinrich Krug die goldene Ehrennadel seines SV von 1911. Er gehörte auch zu den Gründern des Förderkreises und fungierte auch lange Zeit als deren Vorsitzender. Viele Jahre leistete er im Gesangverein von 1863, dem ältesten aller Algermissener Vereine, Vorstandsarbeit. Der Deutsche Sängerbund (DSB) zeichnete ihn ebenfalls mit der Ehrennadel in Gold aus. Er zählt zu den treuesten Sängern. 56 Jahre lang verstärkt seine Stimme inzwischen den zweiten Bass. Er engagierte sich zwischenzeitlich auch zwei Jahrzehnte lang im Pfarrgemeinderat von Sankt Matthäus, im Aufsichtsrat der Wassergenossenschaft insgesamt 25 Jahre und in der Volksfestgemeinschaft. „Ohne die Unterstützung meiner Frau Maria wäre das alles nicht möglich gewesen“ gesteht der 75-Jährige heute ein.

Gartenarbeit ist sein Hobby. Gleich hinter seinem Haus in der Königstraße 21 gedeihen die Kürbisse am besten, windgeschützt durch den Bahndamm. Rund einen Zentner an Gewicht bringen die schwersten seiner kapitalen Exemplare durchschnittlich auf die Waage. Sportlich sind auch die Kinder Heiner und Manfred aktiv, ebenso die Großkinder Sebastian und Tobias sowie Christopher, Sonja und Melina. Bei der Geburtstagsfeier im Pfarrheim erklangen auch seine geliebten Volksweisen aus den Kehlen der Sangesbrüder.

Machte im Dress des SV von 1911 Algermissen als Torwart-Nachfolger von Alfred Kellner Karriere: Heinrich Krug. Der Fußballer vollendete 2005 seinen 75. Geburtstag.   Foto: Gerhard Schütte

 

Erinnerung an den ersten Kreispokal-Gewinn nach dem Krieg 1948, die Mannschaft der Algermissener Elsternträger. Hintere Reihe, von links: Günter Schütz, Fritz Homeister, Willi Fleige, Josef (Chef) Deppe, Theo Feise, Albert Willers, Spieler-Trainer Kurt Beste, vorn von links: Willi Hamel, Adolar Beier, Torwart Heinrich Krug und Willi Holte.   (Foto: Archiv Gerhard Schütte)