Historie > HSV – SVA 1:0

Endrunde 1933:

Hamburger SV – SV Algermissen 1:0

- von Gerhard Schütte, Heimatpfleger -

Endrunde zur Norddeutschen Meisterschaft 1933: Der Hamburger SV fertigte FC Schwerin mit 8:1-Toren ab, danach Werder Bremen mit 6:2. Zum dritten und alles entscheidenden Spiel musste der SV von 1911 Algermissen am Sonntag, 26. März, am Rothenbaum beim haushohen Favoriten HSV antreten. Vorher erreichte Algermissen ein 1:1-Unentschieden bei Komet Bremen und einen 3:1-Erfolg auf eigenem Platz gegen FC Schwerin 03. Ein äußerst denkwürdiges Spiel.

Dreimal Reifenwechsel,  geschwärzte Gesichter und Luft durch Ladetür-Spalt 

Das Fußballdorf schaffte neun Monate nach dem Aufstieg in die höchste Klasse die Endrunde zur Norddeutschen: Schon sensationell, das Schlagerspiel am Sportgelände Rotherbaum in Hamburg. Rund 100 Schlachtenbummler fuhren mit dem Lastwagen der Getreidefirma Weiterer und einem Möbelwagen von Niemann an die Elbe. Jüngster damals war der 15-jährige Konrad Weiterer, der spätere Chef der Algermissener Landwaren  und Getreidehandlung. Er erzählte dem späteren Algermissener Heimatpfleger Gerhard Schütte etliches über diese Endrunden-Begegnung. Der Planwagen der Marke Daimler-Benz erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 28 km/h. „Genau zehn Stunden waren wir nach Hamburg unterwegs, dreimal musste ein Reifenwechsel vorgenommen werden“, verriet Konrad Weiterer.

Am Steuer vom Möbelwagen saß Hermann Niemann. Auf Bretterbänken und Stühlen, dicht gedrängt, hielten die Fans aus dem Gänsedorf Algermissen bis Hamburg aus. Auch der junge Clemens Köhler aus der Wittekindstraße erinnerte sich ebenfalls gut an die abenteuerliche Reise im großen Möbelwagen von Niemann. „Damit wir auch Luft bekamen, stand die Ladetür hinten immer einen Spalt offen“, erzählte er Gerhard Schütte. 50 Leute passten in den Möbelwagen. Dann rief der Fahrer lautstark nach hinten in Richtung Ladefläche: „Jetzt fahren wir über die Elbe“.  „Keiner von uns konnte die Elbe sehen“, meinte Clemens Köhler.

Am Stadion Rotherbaum interessierten sich die Fotografen für die beiden Laster und die Schlachtenbummler aus Algermissen sehr. Heino Deppe, der technisch wohl versierteste Algermissener Spieler und einer der Besten in der Gauliga, trauten seinen Augen nicht. Er berichtete 40 Jahre später davon. „Die Algermissener stiegen mit geschwärzten Gesichtern und verschmutzter Kleidung aus den Fahrzeugen. Straßenstaub und der Schweiß hatten das unterwegs bei allen Mitreisenden bewirkt.“

Das wohl denkwürdigste Spiel der „Elsternträger“ ging in die Fußballgeschichte ein. Spannende erste Halbzeit mit Vorteilen auf Seiten der Hamburger. Algermissens As Heino Deppe soll bester Spieler auf dem Platz gewesen sein. In der zweiten Halbzeit konterten die schwarz-weißen Algermissener immer mehr. Karl Heulheck und Heinrich Lieke vergaben zwei Chancen. Kurz vor dem Abpfiff erzielte der HSV den alles entscheidenden Treffer zum 1:0. Algermissens langer Verteidiger Hans Benner, der große Regisseur in der Mannschaft, kam nach einer Ecke von links nicht mehr an den Ball, auch Torwart Konrad Böker verpasste beim Herauslaufen. Da stand der Hamburger Henneberg richtig und drückte den Ball aus dem Gewühl heraus über die Linie.

In diesem Mercedes-Benz-Getreide-LKW von Gebrüder Weiterer (Spitzengeschwindigkeit 28km/h) fuhren 50 Schlachtenbummler nach Hamburg. Weitere 50 Personen fuhren im Möbelwagen der Firma Möbel-Niemann.

Original-Eintrittskarte zum Finale um die „Norddeutsche“ am 26. März 1933. Zunächst stand „Alger-Nissen“ eingedruckt.

Entscheidung am 26. März 1933 im Endspiel um die Norddeutsche Fußballmeisterschaft am Rothenbaum in Hamburg. Der HSV gewinnt knapp mit 1:0 gegen SV Algermissen. Verteidiger Hans Benner, der spätere Chefarzt vom Klinikum in Braunschweig, verpasst ebenso wie Torwart Konrad Böker. Der Hamburger Henneberg (links daneben) drückt den Ball aus dem Gewühl erhaus über die Linie. Auf der Torlinie (links) Karl Kaune