Torwart Ludwig Wagener sprang von elf Meter hoher Kanalbrücke
- Alle fünf Brüder spielten Fußball -
Neffe Frank im Jugend-Nationalteam unter Berti Vogts
- von Gerhard Schütte, Heimatpfleger -
(gs). Schon als Junge sprang Ludwig Wagener vor vielen Schaulustigen vom elf Meter hohen Stahlbogen der Kanalbrücke mit einem echten „Köpper“ hinunter in die Fluten. Er ließ sich damals auch von den Schleppkähnen bis hin zur Silobrücke ziehen und schwamm die 700 Meter lange Strecke wieder zurück. Jahre später feierte der überragende Torwart im Trikot der Algermissener „Elsternträger“ Erfolge mit einer tollen Bilanz, auch im Jugendbereich. Bei vielen Sportlern stand er in der Nachkriegszeit als Vorbild hoch im Kurs. Ludwig Wagener feierte 2005 seinen 70. Geburtstag. Viele Gratulanten hatten sich dazu getroffen.
Die älteren Fußballkenner schwärmen von seinem Torwart-Talent. An den Erfolgen Anfang der 50er Jahre mit der A-Jugend-Meistermannschaft und an einige der nachfolgenden Aufstiege bis zur damaligen niedersächsischen Amateurliga hatte Ludwig Wagener erheblichen Anteil. „Unsere Gauligisten aus der höchsten deutschen Fußballklasse und die nachfolgenden Akteure aus der Amateuroberliga-Niedersachsen gaben uns jungen Spielern so manche Tipps. Auf dem Kapellenhof lernten wir dann die technischen Finessen mit dem Umgang mit dem Ball auf engstem Raum am 700-jährigen Bruchsteingemäuer der Mauritiuskapelle als Bande kennen“, verriet er, rund sechs Jahrzehnte später. Die sportlichen Leistungen des A-Jugend-Teams aus der Zeit der 50er Jahre mit Heiko Warnecke, Matthias Algermissen, Franz Fiech, Johannes Jäntsch, Hermann Brückmann, Heinz Krone, Helmut Breihan, Josef Reeke, Werner Witte, Walter Boes, Dieter Sünder, Torwart Ludwig Wagener und Betreuer Franz Meyer seien bislang von keiner SV-Jugendmannschaft erreicht worden, heißt es immer wieder.
An der Hottelner Straße ist Ludwig Wagener im Familienkreis von neun Geschwistern und unter bescheidenen Familienverhältnissen bei den Eltern Frieda und Hermann Wagener aufgewachsen. Gegenüber in Beckers Wiese und nebenan am alten „Döscheschuppen“ von Philipps hatten alle fünf Wagener-Jungen Hermann, Heinrich, Theo, Robert und Ludwig in den Kriegsjahren und danach Spaß am Fußball. Seine ersten Punkspiele absolvierte der Torwart in den Schüler- und Jugendmannschaften auf dem Behelfssportplatz „Tiefenbeck“ an der Kalibahntrasse. „Die Lederstollen kloppte ich mir auf dem eisernen Dreifuß selbst in meine Fußballschuhe“, erzählt er und holt noch weiter aus, wenn es um die alten, geschnürten Lederbälle geht.
Auch an die Anfangsjahre des Fußball-Totos im Lande mit dem SV Algermissen von 1949 an auf dem Tippzettel erinnert sich Ludwig Wagener noch gut. In den 50er Jahren liefen insgesamt 16 spielende Mannschaften im „Elsterntrikot“ auf. Der junge SV-Torwart absolvierte einige überörtliche Lehrgänge und stand mehrmals in der Kreisauswahl. Überragende Spiele lieferte der A-Jugendspieler unter anderem gegen den Harburger TB und danach gegen die starke DDR-Mannschaft von Energie Cottbus jeweils am Grasweg in Algermissen.
In sämtlichen Mannschaften hat der heutige Jubilar im schwarz-weißen Dress des SV von 1911 Algermissen bereits gespielt, von den Knabenmannschaften über die Jugend- und Herrenteams bis zuletzt bei den Alten Herren. Er freute sich immer dann, wenn sein Neffe Frank Wagener als Jugend-Nationalspieler unter Trainer Berti Vogts tolle Spiele hinlegte. Dass ein Angebot vom 1. FC Köln abgewiesen wurde, versteht „Onkel Ludwig“ heute immer noch nicht. Ludwig Wageners Sohn Kay ist übrigens Mitglied und Fan vom SV Borussia Mönchengladbach mit einer Auslese von Trophäen im Untergeschoss im Haus an der Mühlenstraße 24. .
Der gelernte Maurer und Fliesenleger baute mit seiner Frau Brunhilde 1970 in Oesselse ein Haus. 2000 zog es die Familie Wagener wieder zurück nach Algermissen. Mit Radfahren hält sich der Sportler täglich fit und pflegt im Turnverein Eintracht auf dem Sportgelände an der Ostpreußenstraße auch das Boulen. Ludwig Wagener feierte seinen 70. Geburtstag im Saal Weiterer im Beisein der Familie, der Verwandten, Freunde und Sportler.
Ludwig Wagener, früherer überragender Torwart vom SV von 1911 Algermissen. Er spielte in allen Mannschaften der „Elsternträger“, in den Jugendteams bis zu den Senioren.
(Foto: Archiv Gerhard Schütte)
Sportplatz Tiefenbeck 1948: die Schülermannschaft der „Elsternträger“. Hintere Reihe von links: Alois Algermissen, Konrad Deppe, Hermann Brückmann, Siegfried Göbel, Udo Machens, Matthias Algermissen, Franz Fiech und Johannes Jaentsch; vorn Berni Hartmann, Torwart Ludwig Wagener und Josef Reeke.
(Foto: Archiv Gerhard Schütte)

