Wilhelm Beitzen schoss Torleute in die Maschen
- von Gerhard Schütte, Heimatpfleger -
(gs) Das passierte bereits auf dem alten Sportplatz am Kranzweg, in den 1920er Jahren. Wilhelm Beitzen. Damals trug er noch seinen Familiennamen Willers. Er schoss aus 30 Metern Entfernung den Strohhut von „Putzer“ Ingelmann total in Fetzen. Der stand nämlich gleich neben dem Torpfosten. Durch solche Gewaltschüsse ist Wilhelm Willers bekannt geworden, bei den gegnerischen Torleuten allerdings auch gefürchtet. Das leuchtet ein, denn der geschnürte Lederball war viel schwerer, vor allem dann, wenn der Rasen auch noch nass war und der Ball sich dadurch voll sog.
Es gab Torhüter, die sich weigerten, bei Elfmetern im Tor zu bleiben.
Die gewaltige Schusskraft verursachte sogar Verletzungen. So erging es 1925 auch dem Torsteher von Hannover-Misburg, als er sich nach einem Strafstoß von Wilhelm Beitzen in den Drahtmaschen seines Tores wieder fand. Genauso passierte das einmal bei dem guten Harsumer Torwart Busche, genannt „Stroh-Busche“. In Hameln, als nacheinander gegen Olympia, Saxonia und Preußen 07 gespielt wurde, sprach es sich herum. Die Zuschauer bewunderten die enorme Schusskraft des Algermissener Mittelstürmers. Durch Bitten und Zureden blieben dann die Torleute zwischen den Pfosten stehen.
Wilhelm Beitzen, dessen Knie ihm im Alter zu schaffen machten, führte seine enorme Schussleistung auch auf die schweren Fußballstiefel hin.
Sein Körpergewicht legte er voll mit ein. Die Stiefel waren etwa dreimal so schwer wie die heutigen, vorn noch mit einer eingebauten Stahlkappe und mit einem zusätzlichen Riemen über den Spann versehen. Der sorgte für den nötigen Halt. Der Ball war ebenfalls größer und schwerer.
Auf dem früheren Sportplatz auf der Steingrube erteilte die Landkreis-Auswahl der Stadt mit 6:1-Toren eine Lektion, Wilhelm Willers/Beitzen (SV von 1911 Algermissen) und Josef „Seppel“ Schmidt (SC von 1919 Harsum) schossen für die Kreisauswahl jeweils drei Tore. „Damals war es äußerst schwierig, einen Stammplatz in der ersten Herrenmannschaft zu bekommen“, erzählte der alte Haudegen im Alter immer wieder. Wilhelm sprach von durchschnittlich 150 Spielern, die 1924 beim Training mitmachten.
Die erste Herrenmannschaft mit Rudolf Teltemann im Tor, den Feldspielern Johannes Rohmann, Heinrich Baule, Fritz Ludewig, Konrad Deppe, Johannes Niemann, Karl Hagemann, Uri von Einem sowie dien Brüdern Wilhelm, Josef und Heinrich Willers legten Anfang bis Mitte der 1920er Jahre den spielerischen Grundstein für die späteren Aufstiege über den Unter-, den Oberbezirk und bis in die höchste deutsche Liga.
Auch das Vereinsleben in seinem Heimatdorf hatte Wilhelm Beitzen/Willers mitgeprägt. Seit 1921 führte ihn die Feuerwehr und gehörte zehn Jahre später auch zu den Gründungsmitgliedern der Feuerwehrkapelle. Außerdem spielte er die Trompete in der bekannten Ludewig`schen Kapelle bei den Fronleichnamsprozessionen. 1922 bewarb er sich im Gesangverein. Erst nach einem Probesingen beim Ortsvorsteher Andreas Willers durfte der 20-Jährige den Bass verstärken. Außerdem sang er im Kirchenchor von Sankt Matthäus.
Wilhelm Beitzen, so kannten ihn die Algermissener noch 1975
Ein seltenes Dokument aus der Spielsaison 1922/23 mit dem Mittelstürmer Wilhelm Willers (Beitzen) in der hinteren Reihe, 3. von links
Die beiden schwergewichtigen Algermissener Fußballer mit dem gefürchteten Schuss, Wilhelm Willers (Beitzen) links, und der Apotheker
Helmut Benner
So sahen die Fußballstiefel in den 1920er Jahren noch aus. Solche Fußball-Raritäten sollen aus Anlass der 100-Jahr-Feier der Elsternträger im Jubiläumsjahr 2001 der Öffentlichkeit gezeigt werden



