WM-Ausstellung 2006:
Algermissener Fußballgeschichte mit Exponaten vertreten
- von Gerhard Schütte, Heimatpfleger -
(gs). Überrascht reagierten Bruno Eierund und Dieter Deppe bei der Führung durch die WM-Ausstellung „Kult um den Ball - auf den Spuren des Fußballs“ im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum. Ihre Väter aus Algermissen schrieben Fußballgeschichte. Das bringt diese bedeutende Dokumentation mit großer Ausstrahlung neben weiteren geschichtlichen Highlights rund um den Fußball an das Tageslicht.
Eine kolorierte Aufnahme in Großformat zeigt bei der Ausstellung die Gründermannschaft der „Britannen von 1911“ mit Eierund´s Vater ganz links. „Meinen Papa habe ich darauf sofort erkannt“, erzählt der Algermissener Textil-Geschäftsmann und der Vater der beiden Schauspieler-Söhne Bruno und Heinrich. Die Sportkleidung damals: längsgestreifte, grüngelbe Sweater und blaue Hosen. Eierund-Senior fungierte auch gleich nach dem Aufstieg in die höchste deutsche Fußball-Spielklasse als Vereinsvorsitzender der Algermissener Elsternträger. Das war 1933, als der SV Algermissen um die „Norddeutsche“ beim Hamburger SV am Rothenbaum knapp mit 0:1 Toren unterlag.
Dieter Deppe, Dachdeckermeister und Sohn von Josef „Chef“ Deppe, hatte über Jahrzehnte die alten braunen Fußballstiefel mit genagelten Lederstollen von seinem Vater auf dem Hausboden versteckt gehalten. In diesen stabilen Schuhen trat sein Vater in den Jahren von 1932 bis 1939 gegen Spitzenmannschaften Mannschaften wie den Hamburger SV, Werder Bremen, Hannover 96 und Arminia, Eintracht Braunschweig auf mehreren Spieler-Positionen an. Der Algermissener Ausnahmefußballer nahm auch am Olympialehrgang sowie an mehreren Kaderlehrgängen an der Seite von Helmut Schön und Georg Knöpfle unter der Leitung von Sepp Herberger teil.
Auf Drängen von Kreisheimatpfleger Gerhard Schütte hatte dann Dieter Deppe die alten Stollenschuhe vom Boden hervorgekramt, verpackt noch mit dem originalen Elstern-Trikot aus den 30-ern. Für die Fußball-Ausstellung im Hildesheimer Museum bedeuten die „Kickerstiefel“ samt Trikot aus der Region schon so etwas wie ein Juwel.
Dass es bereits 1905 in der späteren Kicker-Hochburg Algermissen den Fußballclub „Marvorio“ gab, darüber informierte Heimatpfleger Gerhard Schütte die eigens für diese Sonderführung gekommenen Interessenten. Auch der ehemalige SV-Vorsitzende Erwin Algermissen und der frühere aktive Spieler Wilhelm Becker gehörten dazu.
Es sollen einmal die Mitglieder des Algermissener „Rauchclubs“ gewesen sein, die schon um die Jahrhundertwende auf den Maschwiesen auf Tore geschossen haben sollen. Aus „Marvorio“ entstand dann mit Datum vom 5. Mai 1911 der heutige Sportverein (SV), damals noch unter Fußballclub „Britannia von 1911“ bekannt.
Bei der offiziellen Eröffnungsfeier der Hildesheimer Ausstellung wies Kreisheimatpfleger Gerhard Schütte im Beisein des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und dem ersten Vizepräsidenten für Amateure, Dr. Engelbert Nelle, auf ein Novum in der Geschichte des größten Fußball-Verbandes der Welt durch die einst so bekannten Algermissener „Elsternträger“ hin. Mit den jeweils vier Brüdern der Familien Bettels (Johannes, Heinrich, Karl und Josef) und Deppe (Willi, Heino, Josef und Alfred) spielten zusammen acht Brüder in der höchsten deutschen Fußballklasse.
Neben etlichen alten Lederbällen und Fußballstiefeln aus den 20-er und 30-er Jahren ist die traditionsreiche Algermissener Fußballgeschichte bei der Ausstellung „Kult um den Ball“ auch noch mit weiteren Exponaten stark vertreten, darunter auch historische Schiedsrichterpfeifen. Bis zum 17. September 2006 gab es diese bedeutende Dokumentation im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum zu sehen.
Spontan erkannte Bruno Eierund seinen Vater auf dem Gründerfoto des Algermissener Fußballclubs „Britannia von 1911“ bei der Ausstellung „Kult um den Ball“ aus Anlass der WM im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum
Dieter Deppe kramte die Fußballschuhe mit den genagelten Lederstollen samt Trikot seines Vaters vom Dachboden für die Sonderausstellung. „Chef-Deppe“ war auf allen Positionen in der höchsten deutschen Fußballklasse einsetzbar. Er trainierte sogar unter Sepp Herberger.

